Die Internetseite des Naturparks Südschwarzwald macht Appetit: WegenetztesterIm  “Mountainbike-Paradies“ sind „über 3.000 km Wege und Trails“ ausgeschildert, eine „Auswahl besonders schöner Touren“ gibt es in drei Kartenblättern des Bielefelder Verlags (als offizielle Karten des Naturparks Südschwarzwald) jeweils mit einem 10 Tourenvorschläge umfassenden Begleitheftchen.

Zwischen Juni und August 2009 haben wir sechs der zehn ausgeschilderten Routen aus dem Kartenset Region „Zwischen Kandel und Feldberg“ getestet.

Bis auf die Tour „Rund ums Herzogenhorn“ konnten die von uns gefahrenen Strecken nicht überzeugen, und somit konnten wir trotz hervorragender touristischer Infrastruktur und bestem Angebot an Informationsmaterial nur zwei Sterne vergeben.

Die Zusammenfassung des Testergebnisses:

Theoretischer Teil

Wie gut sind das angebotene Informationsmaterial und die Infrastruktur?
(Internetauftritt, Größe des Wegenetzes, Qualität der Karten, Roadbooks und eventuelle GPS-Tracks, Beratung durch die Touristinformationsstellen, Angebot von fahrradfreundlichen Quartieren)

Praktischer Teil

(ermittelt als Durchschnittsnote der getesteten Strecken)

Die getesteten Strecken in der Einzelwertung:

1. „Rund ums Herzogenhorn“:

Streckendaten: 1.000 Hm auf 27 km
Streckenführung
Beschilderung Untergrundmix

Die Runde im Naturschutzgebiet rund ums Herzogenhorn startet an der Feldberg-Passhöhe und bietet schöne Ausblicke, viel Landschaftserlebnis und streckenweise sogar Bikespaß. Neben guter Kondition ist GPS-Unterstützung angeraten um die Tour genießen zu können, da die Beschilderung sehr lückenhaft ist. Die Einkehr in der schön gelegenen Krunkelbacher Hütte ist ein Muss!

Fazit: Landschaftlich schöne Tour mit hohem „Erlebniswert“. Trotz fehlender Singletrails kommt Mountainbikefeeling auf. Sehr lückenhafte Beschilderung.

2. „Lila Tour“:

Streckendaten: 716 Hm auf 32,5 km
Streckenführung Beschilderung Untergrundmix

Die Runde startet in Kirchzarten. Nach der Einrollphase auf Radwegen bis Buchenbach folgt der lange, abwechslungsreiche Anstieg über Breitnau zum Gasthaus Schanzenhäusle. Bergab werden 350 Höhenmeter auf steilster Schotterpiste im Wald vernichtet, der Rest der Strecke ist größtenteils asphaltiert.

Fazit: Auf dem durchaus ansprechenden und trotz hohem Asphaltanteil mountainbike-gerechten Aufstieg nach Breitnau folgt die große Abfahrts-Enttäuschung: kein einziger Meter, der nicht ebenso mit einem Trekkingbike zu fahren wäre. Zudem bietet die Abfahrt im Unterschied zur Auffahrtsstrecke kaum Abwechslung. Das einzige Erlebnis verschaffen schmerzende Hände und Arme - durch das ständige Bremsen.

3. „Attental Tour“:

Streckendaten: 453 Hm auf 17,4 km
Streckenführung Beschilderung Untergrundmix

Von Startpunkt Stegen geht es über den Dreisamradweg zum Attental und hinauf zum Steiereck, einem schönen Aussichtspunkt mit Picknickplatz. Die Abfahrt ist schnell erledigt, bis auf eine kurze Passage auf dem Kandelhöhenweg geht es auf Schotter steil bergab und schließlich auf dem Dreisamtalradweg zurück zum Ausgangspunkt.

Fazit: Nette Feierabendrunde für fitte Biker ohne fahrtechnischen Anspruch. Gelegenheitsradler werden trotz der geringen Distanz vermutlich nicht glücklich: Die 450 Höhenmeter bergauf müssen fast am Stück bewältigt werden. Schade, dass diese hart erkämpften Höhenmeter so schnell und ohne flowige Abschnitte wieder vernichtet werden. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass man die Tour sehr viel interessanter hätte gestalten können.

4. „Trans Schauinsland – einmal Hausberg und zurück“:

Streckendaten: 1.009 Hm auf 32,9 km
Streckenführung Beschilderung Untergrundmix

Der Startpunkt liegt etwas versteckt an einem Grillplatz in Freiburg-Wiehre, von dort lotsen die gelben Wegweiser den Biker zunächst moderat, dann sehr steil auf Schotter bergauf. Weiter oben geht es auf Asphalt an der Wetterstation vorbei bis zu einem Parkplatz unterhalb des Gipfels. Bei der Abfahrt gibt es nur sehr kurzen Trailspaß, die Strecke verläuft auf Schotter und mehrere hundert Höhenmeter auf Asphalt.

Fazit: Eine Fahrt mit dem Mountainbike zum Schauinsland gehört zu den Schwarzwald-Highlights. Dieses Potential hat man mit der offiziell ausgeschilderten Route leider verspielt, indem man sie am Gipfel vorbei und auf Asphaltstraßen bergab führt.

Zudem ist die Beschilderung im zweiten Teil der Tour sehr lückenhaft.

5. „Schwarze Tour“:

Streckendaten: 1.340 Hm auf 43,9 km
Streckenführung Beschilderung Untergrundmix

Die „Königsetappe“ fordert den Biker mit guter Kondition, auch wenn sich die Aufstiege auf geschotterten und asphaltierten Wegen gut bewältigen lassen. Wie auf der Schauinsland-Runde wird der Biker unterhalb des Gipfels vorbeigeführt, auch der Aussichtspunkt Stübenwasen wird ausgelassen, die Tour führt hundert Höhenmeter unterhalb vorbei. Bergab geht es auf Schotterwegen, Asphalt und sogar ein Stück auf einer verkehrsreichen Landstraße.

Fazit: Die Tour ist ein Klassiker – und zwar dafür, wie man eine Mountainbikeroute nicht planen sollte. Eine Route, die an den schönsten Gipfeln vorbei- und auf Landstraßen bergab führt, hat die Bezeichnung „Mountainbiketour“ leider nicht verdient.

6. „Tour de Sonnenwinkel“:

Streckendaten: 770 Hm auf 45,9 km
Streckenführung Beschilderung Untergrundmix

Wer es geschafft hat den Touren-Startpunkt in den Straßen von Löffingen zu finden, wird zunächst ansprechend auf einer Bikepiste zu einer Hochebene mit schönen Blicken geleitet. Auf dem Rest der Strecke wird nur noch im Rötenbachtal etwas Bikespaß geboten, an den erwähnten Sehenswürdigkeiten Kloster Breitenbach und Kirnbergsee und an Aussichtspunkten wird der Biker konsequent vorbeigelotst.

Fazit: „Mountainbiker fahren gerne bergauf“ dachte man sich wohl und hat dies zum Leitfaden bei der Entwicklung der Tour gemacht: Wenn es auf den 45 km bergauf geht, dann wird jeder sich bietende steile Stich auch mitgenommen. Viel mehr „Erlebnis“ wird nicht geboten, zudem verläuft die Strecke zu 60% auf Asphalt und über mehrere Kilometer auf einer viel befahrenen Landstraße.

Ausgewogenheit
des Streckenangebots:

(Kondition und Fahrtechnik)

Anmerkung: Weder Einsteiger noch Familien oder gar Trailfreunde kommen auf ihre Kosten.

Infrastruktur:

Gesamtnote:


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